Der Perthes-Test ist ein einfacher klinischer Funktionstest zur Beurteilung der Funktion des tiefen Venensystems der unteren Extremität, insbesondere im Bereich der Unterschenkel- und Oberschenkelvenen, bei Patienten mit Varizen ("Krampfadern").
Zusätzlich erlaubt der Test eine Einschätzung der Venenklappenfunktion sowie der Verbindung zwischen oberflächlichem und tiefem Venensystem über die sogenannten Perforansvenen.
Er wird vor allem eingesetzt, um festzustellen, ob das tiefe Venensystem durchgängig und funktionell intakt ist oder ob insuffiziente Perforansvenen bzw. oberflächliche Varizen an der Entstehung venöser Beschwerden beteiligt sind.
Durchführung des Perthes-Tests
Der Patient steht aufrecht.
Im oberen Drittel des Oberschenkels wird eine Staubinde angelegt, sodass die oberflächlichen Venen komprimiert werden, das tiefe Venensystem jedoch offen bleibt.
Der Patient geht mehrere Minuten oder tritt wiederholt auf der Stelle, um die Wadenmuskelpumpe zu aktivieren. Durch die Muskelarbeit wird das venöse Blut über das tiefe Venensystem abtransportiert.
Währenddessen wird das Verhalten der oberflächlichen Varizen (Entleerung oder zunehmende Füllung) beobachtet.
Kontraindikationen des Perthes-Tests
Der Perthes-Test darf nicht durchgeführt werden, wenn der Verdacht auf eine akute tiefe Venenthrombose (TVT)besteht, da durch die Muskelarbeit und den erhöhten venösen Druck eine Embolisation ausgelöst werden könnte.
Weitere Kontraindikationen sind:
Akute oder kürzlich durchgemachte tiefe Venenthrombose
Akute Entzündungen oder Infektionen der unteren Extremität
Starke Schmerzen oder ausgeprägte Schwellung des Beins unklarer Ursache
Frische Operationen oder Traumata der unteren Extremität
In diesen Fällen ist eine apparative Abklärung, insbesondere mittels Sonografie, zwingend vorzuziehen.
Beurteilung des Perthes-Tests
Befund | Beurteilung |
Normalbefund Die gestaute oberflächliche Vene entleert sich während der Muskelarbeit sichtbar. | Das tiefe Venensystem ist durchgängig und die Venenklappen sind funktionell intakt. |
Unvollständige Entleerung | Hinweis auf eine geringgradige Klappeninsuffizienz der Perforansvenen |
Keine Entleerung | Hinweis auf eine ausgeprägte Klappeninsuffizienz der Perforansvenen und Abflussstörungen in den tiefen Beinvenen |
Zunehmende Stauung | Hinweis auf eine ausgeprägte Klappeninsuffizienz der Perforansvenen mit pathologischem Rückstrom aus dem tiefen in das oberflächliche Venensystem. |
Aussagekraft des Perthes-Tests
Der Perthes-Test liefert lediglich orientierende Hinweise auf die Funktion der tiefen Beinvenen und der Perforansvenen, ersetzt jedoch keine bildgebende Diagnostik.
Er eignet sich insbesondere als klinischer Vortest im Rahmen der Untersuchung von Varizen, chronisch-venöser Insuffizienz oder zur Einschätzung der venösen Abflussverhältnisse nach Thrombosen.
Für eine sichere und differenzierte Beurteilung des venösen Systems ist jedoch in der Regel eine Sonografie erforderlich, insbesondere die Kompressions- oder Duplexsonografie.
