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Albuminurie

Was ist eine Albuminurie?

Vor über 2 Monaten aktualisiert

Als Albuminurie bezeichnet man das vermehrte Auftreten von Albumin im Urin. Albumin ist ein wichtiges Bluteiweiß, das im Blut unter anderem dafür sorgt, dass Flüssigkeit in den Blutgefäßen gehalten wird und nicht unkontrolliert ins Gewebe austritt. Dieser Effekt wird als kolloidosmotischer Druck (onkotischer Druck) bezeichnet. Zusätzlich dient Albumin als Transportprotein für verschiedene Substanzen.

Unter normalen Bedingungen wirkt die glomeruläre Filtrationsbarriere der Niere wie ein sehr feines Sieb: Wasser und kleine gelöste Moleküle können hindurchtreten, während größere Eiweißmoleküle wie Albumin aufgrund ihrer Größe und elektrischen Ladung im Blut zurückgehalten werden.

Kommt es jedoch zu einer Schädigung dieser Filterstruktur, etwa durch dauerhaft erhöhten Druck infolge von Bluthochdruck oder Stoffwechselbelastungen, vergrößern sich bildlich gesprochen die Öffnungen dieses Siebs – vergleichbar mit einem Nudelsieb, dessen Löcher zu groß geworden sind, sodass die Nudeln nun durch das Sieb hindurchfallen. In der Folge kann Albumin die Filtrationsbarriere passieren und erscheint im Urin.

Der Nachweis von Albumin im Urin ist daher ein Hinweis auf eine Störung der glomerulären Filtrationsbarriere. Die Albuminurie gilt als früher und sensibler Marker einer beginnenden Nierenschädigung, häufig bereits zu einem Zeitpunkt, an dem andere Nierenwerte noch unauffällig sind.


Referenzbereiche für Albumin im Urin

Je nach Ausmaß der Albuminausscheidung unterscheidet man:

Albuminausscheidung im Urin¹

physiologische Albuminurie

Normale Albuminausscheidung:

< 20 mg/l

(weniger als 20 Milligramm Albumin pro Liter Urin)

bzw.

< 30 mg/d

(weniger als 30 Milligramm Albumin pro Tag im 24-Stunden-Urin)

Mikroalbuminurie

Geringe, mit Standardteststreifen oft noch nicht nachweisbare Albuminausscheidung:

20–200 mg/l

(20 bis 200 Milligramm Albumin pro Liter Urin)

bzw.

30–300 mg/d

(30 bis 300 Milligramm Albumin pro Tag im 24-Stunden-Urin)

Makroalbuminurie

Deutlich erhöhte Albuminausscheidung:

> 200 mg/l

(mehr als 200 Milligramm Albumin pro Liter Urin)

bzw.

> 300 mg/d

(mehr als 300 Milligramm Albumin pro Tag im 24-Stunden-Urin)

Die Mikroalbuminurie ist häufig ein Frühzeichen einer Nierenschädigung.


Abweichungen vom Normwert

Erhöhte Ausscheidung von Albumin mit dem Urin

Eine erhöhte Ausscheidung von Albumin mit dem Urin wird als Albuminurie bezeichnet.

Eine Albuminurie kann die folgenden Ursachen haben:

  • Diabetes mellitus (diabetische Nephropathie)

    Langjährig erhöhte Blutzuckerwerte führen zu strukturellen Veränderungen der Nierenfilter, wodurch Albumin vermehrt in den Urin gelangt.

  • Arterielle Hypertonie

    Dauerhaft erhöhter Blutdruck belastet die feinen Gefäße der Niere und kann die glomeruläre Filtrationsbarriere schädigen.

  • Chronische Nierenerkrankungen

    Bei fortschreitender Einschränkung der Nierenfunktion ist die Filtrationsleistung vermindert, was häufig mit einer Albuminurie einhergeht.

  • Glomerulonephritiden

    Entzündliche Erkrankungen der Nierenkörperchen führen zu einer direkten Schädigung der Filterstrukturen und begünstigen den Übertritt von Eiweiß in den Urin.

  • Transiente (vorübergehende) Albuminurie
    In bestimmten Situationen kann es vorübergehend zu einer erhöhten Albuminausscheidung kommen, ohne dass eine strukturelle Nierenschädigung vorliegt. Diese Form der Albuminurie ist in der Regel reversibel.

    • Akute Infektionen oder Fieber

      Akute Belastungszustände können die Durchlässigkeit der glomerulären Filtrationsbarriere kurzfristig erhöhen, wodurch vorübergehend Albumin im Urin nachweisbar ist.

    • Körperliche Belastung oder starke körperliche Anstrengung

      Intensive körperliche Aktivität kann ebenfalls eine kurzfristige Albuminausscheidung verursachen, die sich nach Erholung wieder normalisiert.

  • Präeklampsie

    Eine neu auftretende Albuminurie während der Schwangerschaft kann ein Warnzeichen für eine Präeklampsie sein und erfordert eine zeitnahe fachärztliche Abklärung.


Prognostischer Wert der Albuminurie

Die Albuminurie besitzt eine hohe diagnostische Bedeutung, da sie häufig früher auftritt als andere Veränderungen der Nierenfunktion. Wird im Urin ausschließlich Albumin als vermehrt ausgeschiedenes Protein nachgewiesen, handelt es sich oft um das früheste Warnzeichen einer beginnenden Nephropathie, insbesondere bei Diabetes mellitus oder arterieller Hypertonie.² In diesem Stadium sind klassische Nierenwerte im Blut, wie Kreatinin oder die glomeruläre Filtrationsrate, häufig noch unauffällig.

Die Albuminurie eignet sich daher besonders zur Früherkennung einer Nierenschädigung bei Risikopatienten.

Darüber hinaus gilt eine Albuminurie als unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen.


Diagnostik der Albuminurie

Der Nachweis einer Albuminurie erfolgt über:

  • Urin-Teststreifen (nur bei höherer Albuminausscheidung zuverlässig)

  • Quantitative Bestimmung im Spontanurin (Albumin-Kreatinin-Quotient)

  • 24-Stunden-Sammelurin zur genauen Quantifizierung

Zur Abklärung sind wiederholte Messungen erforderlich, da kurzfristige Belastungen die Albuminausscheidung vorübergehend erhöhen können.


Behandlung der Albuminurie

Die Albuminurie stellt kein eigenständiges Krankheitsbild dar, sondern ist ein Symptom bzw. Marker einer zugrunde liegenden Erkrankung der Niere oder des Stoffwechsels. Entsprechend richtet sich die Behandlung nicht gegen die Albuminurie selbst, sondern nach der zugrunde liegenden Ursache.

Ziel ist es, eine weitere Schädigung der Nierenfilter zu verhindern oder deren Fortschreiten zu verlangsamen. Dazu gehören u. a.:

  • Optimierung der Blutzucker- und Blutdruckeinstellung

  • Behandlung entzündlicher oder immunologischer Grunderkrankungen

  • Vermeidung nephrotoxischer Substanzen

  • Regelmäßige Verlaufskontrollen der Nierenfunktion


Quellen

  1. Pschyrembel Online. Artikel „Albuminurie“. In: Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. Berlin: De Gruyter; Zugriff am 22.01.2026. URL: https://www.pschyrembel.de/Albuminurie/K01XW

  2. Bierbach, E. (Hrsg.). Naturheilpraxis heute – Lehrbuch und Atlas. München: Urban & Fischer in Elsevier; 5. Auflage 2013. S. 717.

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